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Erstinformationen für Bewerber um ein Pflegekind

Häufig gestellte Fragen:

  • Wie wird ein Kind ein Pflegekind?
  • Welche verschiedenen Formen von Familienpflege gibt es?
  • Welche Probleme bringen Pflegekinder mit?

 

Wie wird ein Kind ein Pflegekind?
 
Als Grundlage für eine stabile Entwicklung brauchen Kinder Liebe und Fürsorge, aber auch Respekt und Grenzen.
 
Eltern, die von schwerwiegenden sozialen, gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Problemen  betroffen sind, können in Situationen geraten, in denen sie sich nicht mehr angemessen um ihr Kind bzw. ihre Kinder kümmern können. Sie haben dann die Möglichkeit beim Jugendamt Hilfe zur Erziehung zu beantragen und ihr Kind freiwillig in Pflege zu geben.
 
Wenn die eigene Familie wesentliche Erziehungsaufgaben nicht übernehmen kann und das Kindeswohl in Gefahr gerät, regelt das Sozialgesetzbuch VIII die Unterbringung der Kinder. Den überforderten Eltern werden vom zuständigen Jugendamt familienunterstützende Maßnahmen angeboten, um die Familie zu stabilisieren und für die Kinder zu erhalten. Wenn diese scheitern, bringt das Jugendamt das Kind außerhalb der Herkunftsfamilie unter. Es bemüht sich, eine passende Familie für das Kind zu finden, die für dieses vorübergehend oder dauerhaft die Versorgung, Betreuung und Erziehung übernehmen kann. Die Alternative zur Inpflegegabe in einer Pflegefamilie ist die weit kostenintensivere Heimunterbringung.
 
Die Entscheidung für eine Fremdunterbringung ihres Kindes wird von den Herkunftseltern nach Beratung mit Fachkräften des Jugendamtes zu etwa 50 % freiwillig getroffen, in der anderen Hälfte ist sie das Ergebnis staatlicher Intervention zum Schutz des betroffenen Kindes.

 

Welche verschiedenen Formen von Familienpflege gibt es?

Gut unterscheidbar sind zunächst die nach SGB VIII geregelten Formen der Vollzeitpflege: Kurzzeitpflege, Bereitschaftspflege und Dauerpflege. In diesen Pflegeformen findet eine Qualifizierung, Begleitung und Unterstützung durch das Jugendamt statt. Mit Aufnahme eines Pflegekindes wird damit die eigene Familie gewissermaßen "öffentliche Familie".
Darüber hinaus gibt es noch weitere Pflegeformen wie Sonderpflege, Verwandtenpflege, Wochenpflege, Patenschaften und Erziehungsstellen, die wir Ihnen weiter unten näher beschreiben.
Nichts mit Vollzeitpflege zu tun hat die Tagespflege. Hier werden Kinder, die weiterhin in ihrer Familie leben, nur tagsüber betreut.
 

 

Hier ein kurzer Überblick über verschiedene Formen von Familienpflege:

Zeitlich befristete Vollzeitpflege - Rückkehr in die Herkunftsfamilie geplant

Diese Pflegeform, auch Kurzzeitpflege oder Interimspflege genannt, bedeutet für die Pflegepersonen, ein Kind für eine meist vorher festgelegte Zeit vorübergehend aufzunehmen. Die Pflegeeltern stellen sich neben ihren Aufgaben der Versorgung und Erziehung des Kindes auf die geplante Rückführung ein und helfen ihm, seine Bindungen an die Herkunftsfamilie in vielfältiger Weise aufrecht zu erhalten.

Zu beachten: Die Befristung ist fachlicherseits unter Berücksichtigung des Alters, des Entwicklungsstands und damit auch des Zeitempfindens des betroffenen Kindes vorzunehmen. Jüngere Kinder, oder auch solche mit gravierenden Entwicklungsverzögerungen, sind aus entwicklungspsychologischer Sicht auf die Möglichkeit zur Entwicklung einer Eltern-Kind-Beziehung existenziell angewiesen und sollten daher nicht nach einem für ihr Empfinden langen Aufenthalt in einer Pflegefamilie erneut einer Trennung – diesmal von der zur "eigenen" Familie gewordenen Pflegefamilie – mit all ihren schmerzhaften Begleiterscheinungen ausgesetzt werden.

Klassisches Beispiel ist eine alleinerziehende Mutter, die für längere Zeit ins Krankenhaus muss. Die leiblichen Eltern bleiben bei dieser so genannten Kurzzeitpflege weiter die Hauptbezugspersonen. Die Pflegeeltern müssen hier besonders eng mit der Herkunftsfamilie zusammenarbeiten. In diesem Fall handelt es sich nicht um Erziehungsdefizite, sondern andere, z. B. zwingende gesundheitliche Gründe, die dazu führen, dass Eltern ihr Erziehungsrecht und ihre Erziehungsverpflichtung nicht ausüben können.

Bereitschaftspflege - akut notwendige, kurzfristige Fremdunterbringung

Bei der Herausnahme von Kindern aus der eigenen Familie im Falle von gravierender Kindeswohlgefährdung werden Bereitschaftspflegefamilien (auch Kriseninterventionspflegefamilien genannt) eingesetzt, welche die Kinder versorgen und betreuen, bis für sie eine langfristige Lebensperspektive erarbeitet ist. Diese Abklärung sollte so kurz wie möglich sein, um die Kinder nicht allzu lange in einem unsicheren Status zu belassen.

Bei der so genannten Bereitschaftspflege werden Kinder aus Notsituationen heraus kurzfristig bei Pflegeeltern untergebracht. Ziel ist eine Prüfung der Rückkehr in den elterlichen Haushalt oder eine dauerhafte Vermittlung außerhalb des Elternhauses, z. B. bei Dauerpflegeeltern.

Vollzeitpflege - auf unbestimmte Zeit oder Dauer angelegte Fremdunterbringung

Die sogenannte Dauerpflege wird notwendig, wenn das Kind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr in seine Herkunftsfamilie zurückkehren wird und daher bis zu seiner Verselbständigung in der aufnehmenden Familie bleiben soll. In diesen Fällen übernehmen die Pflegeeltern die soziale Elternschaft für das Kind. Die Integration des Kindes in die Pflegefamilie ist erwünschtes Ziel der Unterbringung. Der Unterschied zu einer Adoption liegt hier nur noch in der rechtlichen Situation. Pflegekinder haben nicht die gleiche rechtliche Sicherheit der Zugehörigkeit zu einer Familie wie Adoptivkinder. Auch wenn der faktische Lebensmittelpunkt die Pflegefamilie ist, bleibt die rechtliche Zugehörigkeit zur Herkunftsfamilie bestehen. Häufig behalten die Herkunftseltern auch das Sorgerecht oder Teile davon (Vormundschaft bzw. Pflegschaft).

Erziehungsstellen - sonderpädagogische, sozialpädagogische und heilpädagogische Pflegestellen

Besondere Formen der Vollzeitpflege für Kinder und Jugendliche, die wegen besonderer Belastungen, Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Behinderungen in spezieller Weise zu fördern sind, werden Erziehungsstellen, sonderpädagogische, sozialpädagogische oder heilpädagogische Pflegestellen genannt. Hier wird in der Regel bei den Pflegepersonen eine professionelle pädagogische, pflegerische oder medizinische Ausbildung zumindest eines Elternteils vorausgesetzt, wenigstens aber langjährige Erfahrung mit schwer belasteten Kindern oder eine sehr intensive Begleitung durch den zuständigen Fachdienst. Die Qualifikation kann eventuell auch durch besondere Schulung erworben werden.

Verwandtenpflege

Verwandte ersten Grades, die ein nicht leibliches Kind in ihren Haushalt aufgenommen haben, brauchen keine Pflegeerlaubnis nach §44 SGB VIII. Weil viele solche Pflegeverhältnisse dem Jugendamt unbekannt bleiben, erhalten die Pflegepersonen keinerlei Angebote zur Weiterbildung und Begleitung.

Über verwandtschaftliche Pflegeverhältnisse mit Pflegeerlaubnis hat das Jugendamt zwar Kenntnis, sie werden von dort aber nicht als Hilfe zur Erziehung gefördert und begleitet.

Verwandte Personen, die wie Pflegeeltern überprüft werden, erhalten materielle Leistungen sowie Beratung und Unterstützung nach §33 SGB VIII "Hilfen zur Erziehung".

Wochenpflege

Wenn die leiblichen Eltern z.B. im Schichtdienst arbeiten oder an einer Ausbildung in einer anderen Stadt teilnehmen, kann es notwendig werden, dass ein Kind an den fünf Arbeits- bzw. Ausbildungstagen und –nächten in einer Pflegefamilie betreut wird. Wegen der hohen psychischen Belastung für das Kind sollte diese Form der Fremdunterbringung nur in dringenden Fällen und auf absehbare Zeit gewählt werden.

Patenschaften und andere Formen

Andere, neue Varianten von Pflegeverhältnissen werden teilweise in Modellprojekten erprobt. Mit Patenschaften, bei denen Pflegeeltern Kindern psychisch kranker Eltern in Krisensituationen begleitend beistehen und die Kinder bei Bedarf immer wieder aufnehmen, hat man in Hamburg recht positive Erfahrungen gemacht. In Berlin sind mit Erziehungsfamilien für gefährdete Kinder gute Schutzfaktoren für deren Entwicklung geschaffen worden.

 

 

Welche Probleme bringen Pflegekinder mit?

Für ein Kind bedeutet Vollzeitpflege in der Regel nicht nur die Trennung von der Familie, sondern auch von seinem gesamten sozialen Umfeld (Freunde, Kindergarten, Schule, ...) und der vertrauten räumlichen Umgebung. Es muss die Trauer über die vorangegangene Trennung bewältigen, selbst dann wenn Gewalt der Grund für die Fremdunterbringung war. In diesem Fall macht sich das Kind u.U. Sorgen um zurück gebliebene Familienmitglieder oder empfindet Schuldgefühle.

Zudem findet es in seinem neuen Lebensraum ihm unbekannte Gepflogenheiten vor und Menschen, deren (zum Teil unausgesprochene) ihm unbekannte Erwartungshaltungen Anforderungen bedeuten, die verunsichernd und oft auch überfordernd wirken können. 

Oft wurden bei Kindern, die von ihren Eltern nicht mehr angemessen versorgt werden konnten, elementare Bedürfnisse wie Schutz und Geborgenheit, Essen und Trinken, Wärme und Anerkennung vernachlässigt. Diese Vorgeschichte prägt ihre Verhaltensweisen maßgeblich und bedingt häufig Entwicklungsrückstände. Schwere Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch führt beim Kind zu gravierenden psycho-sozialen und körperlichen Schäden und macht eventuell (psycho)-therapeutische Hilfen notwendig.

Häufig treten Probleme erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit in der Pflegefamilie, in der sich das Kinder bzw. der Jugendliche in seiner neuen Umgebung erst einmal neu orientieren und zurecht finden muss, zu Tage. Typische Verhaltensauffälligkeiten sind beispielsweise distanzloses, apathisches oder destruktives Verhalten, mangelnde Affektsteuerung oder Lernstörungen.

Eine zum Schutz des Kindeswohls erforderliche Herausnahme von Kindern aus ihrer Herkunftsfamilie erfolgt vielfach erst dann, wenn sich die ambulanten Hilfen als unwirksam erwiesen haben. Pflegeeltern müssen daher heute mit stärker belasteten Kindern rechnen und benötigen demzufolge eine hohe persönliche Strabilität und Reflexivität, um angemessen mit den daraus resultierenden Anforderungen umgehen zu können.

 

Ein weiterer grundlegender Problembereich für alle Pflegekinder sind Loyalitätskonflikte. Da es „nicht normal ist“  zwei Familien gleichzeitig anzugehören, . fragen sie sich in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen immer wieder , zu welchem Familiensystem sie gehören. Um zu reifen und letztendlich Zufriedenheit entwickeln zu können, ist es notwendig, dass sie eine Balance zwischen ihren beiden Familien herstellen können. Dazu benötigt das Pflegekind die Erlaubnis seiner Herkunftsfamilie, sich in der Pflegefamilie heimisch fühlen zu dürfen und von der Pflegefamilie die Akzeptanz der leiblichen Eltern als wichtigen und respektierten Teil ihrer Biographie, dem ein angemessener Platz im Leben eingerichtet werden muss, unabhängig davon, ob noch Kontakte zur Herkunftsfamilie bestehen.

In jedem Fall hat ein in Vollzeitpflege untergebrachtes Kind mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen. Deshalb benötigt es geduldige, liebevolle Unterstützung und viel Verständnis seitens seiner neuen Familie.

 

 

 

 

 

 
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